Baustellenbericht zu den Arbeiten an der Pylonbrücke

Neue Strombrücke Magdeburg

31. März 2021

Am 24.02.2020 hat in Magdeburg, der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt, offiziell der Bau der Strombrückenverlängerung begonnen. Bis 2023 soll der Elbübergang an der Johanniskirche in Richtung Osten der Stadt mit einer hochwassersicheren Pylonbrücke verlängert werden.

Für das Projekt sind rund 120 Mio. € vorgesehen. Der Neubau soll die in der Vergangenheit durch Hochwasser geschädigte Anna-Ebert-Brücke ablösen, welche dringend saniert werden muss. Der Strombrückenzug setzt sich zusammen aus der Neuen Strombrücke (erbaut 1965), der Zollbrücke (1882) und der Anna-Ebert-Brücke (1882). Er führt über die Stromelbe, Zollelbe und Alte Elbe. Bereits in den 1970er und 1990er Jahren gab es konkrete Ideen für einen neuen Brückenzug, der die bestehende Neue Strombrücke durch einen weiteren Bau ergänzen sollte. Aber erst das Hochwasser im Jahr 2013 führte zur Entscheidung des Stadtrates, diese lang geplante Vision in die Tat umzusetzen.

Im Beschluss wurde der Pylonvariante als Querung über die Alte Elbe der Vorrang gegeben. Das Großbauvorhaben „Ersatzneubau Strombrückenzug“ umfasst neben dem Ersatzneubau der Pylonbrücke über die Alte Elbe auch die Sanierung der bestehenden Neuen Strombrücke und die Errichtung einer neuen Brücke über die Zollelbe als Rahmenbauwerk. Beide neuen Brücken sollen die mehr als 120 Jahre alten bestehenden Bauwerke entlasten und den Durchgangsverkehr, die Straßenbahnen und den Verkehr in den Stadtpark Rotehorn in östlicher Richtung aufnehmen.

Abbildung 1: Schematische Darstellung des Brückenzuges ©Herr Klein, Hochtief Infrastructure
Abbildung 2: Fotorealistische Darstellung des Brückenzuges ©Herr Klein, Hochtief Infrastructure

Charakterisitika des Bauvorhabes:

  • Pylon-Hängebrücke über die Alte Elbe
  • Lichte Weite zwischen Widerlager: 244 m, Stützweiten: 50 m – 164 m – 34,5 m
  • Breite zwischen Geländer: 27 m

Die Arbeiten begannen mit der Fundamentierung des Pylons und der Widerlager des Strombrückenzuges. Auf einer Fläche von 30 m x 10 m entstanden die so genannten Pfahlkopfplatten. In diese Stahlbeton-Platten werden die Köpfe der 40 bewehrten Großbohrpfähle mit einem Durchmesser von 1,5 m verankert. Die Bohrpfähle wurden 18 m tief gegründet. Pfahlkopfplatte und Bohrpfähle bilden das Fundament für den Pylon-Pfeiler, der die neue Brücke über die Alte Elbe weithin sichtbar machen wird. Der Pylon wird 60 m in die Höhe ragen und damit nahezu so hoch sein, wie die benachbarten Hochhäuser.

Das Fundament des Pylon-Pfeilers ist ein massives, stark bewehrtes Stahlbetonbauwerk. Auf ihm befindet sich nicht nur allein eines der insgesamt vier Brückenauflager, vielmehr muss es neben dem Eigengewicht des Pylons auch die Last der Seile tragen, die den Überbau der Brücke halten werden. Die große Beanspruchung ergibt sich aus Eigenlast der Konstruktion, dem späteren Verkehr und den nicht zu vernachlässigenden Windkräften.

Die Pfahlkopfplatte selbst ist 3 m stark und sehr engmaschig bewehrt.

Abbildung 3: Betonage Ebene 1 der Pfahlkopfplatte bei Nacht ©SCHWENK Technologiezentrum ©SCHWENK Technologiezentrum
Abbildung 4: Ansicht der freigelegten Bohrpfahlköpfe ©Herr Klein, Hochtief Infrastructure
Abbildung 5: Betonarbeiten mit zwei Betonpumpen ©Herr Klein, Hochtief Infrastructure

Rund um das Fundament des Pylonpfeilers wurde eine überschnittene Bohrpfahlwand mit einem Durchmesser von 0,9 m und einer Länge von 8 m hergestellt. Sie soll in der Bauphase die Gründungsarbeiten für das hochaufragende Brückenteil vor Hochwasser schützen. Diese Baugrubensicherung wird im Boden verbleiben und später deutlich unter der geplanten Geländeoberkante liegen.

Abbildung 6: Anschlussbewehrung für Pylon ©SCHWENK Zement
Abbildung 7: Ansicht der Einbauteile im Brückenüberbau zur Verankerung der Abspannseile aus Stahl ©SCHWENK Zement

Für diese massiven Fundamentbereiche waren hinsichtlich der Betontechnologie umfangreiche Vorbereitungen und Versuche erforderlich. Da es sich bei den einzelnen Ebenen der Pfahlkopfplatten um sehr massige Bauwerksteile handelt, war besonders hinsichtlich der Hydratationswärmeentwicklung eine erhöhte Aufmerksamkeit geboten. Die Differenz zwischen Kern- und Randbereichen sollte hierbei 15 Kelvin nicht überschreiten, um Temperaturspannungen und somit Risse im Beton zu vermeiden. Für die Rezeptur der Pfahlkopfplatten als Massenbeton der Druckfestigkeitsklasse C30/37 mit den Expositionsklassen XC4, XD2, XF2, XA2 wurde ein CEM III/A 32,5 N-LH (na) der SCHWENK Zement GmbH & Co KG, Werk Bernburg, und eine Steinkohlenflugasche verwendet.

Im Vorfeld wurden Labormessungen und rechnerischen Prognosen der Wärmeentwicklung bei 20 °C und 30 °C erstellt, um den Einfluss der wärmeren Jahreszeit zutreffend einschätzen zu können.

Da die derzeitigen Betonarbeiten überwiegend nachts und bisher in der kalten Jahreszeit erfolgten, gab es bei den bisherigen Großbetonagen keine Probleme hinsichtlich der Betonkerntemperatur oder der Wärmeentwicklung. Durch die Verwendung eines Zementes mit LH-Eigenschaft (Low Heat, Hydratationswärmeentwicklung nach 7 Tagen ≤ 270 J/g) war dies auch nicht zu erwarten.

Der Beton für die Pfahlkopfplatten (jeweils zwischen 700 und 1500 m³) wurde von einer Liefergemeinschaft aus den Transportbetonwerken der SCHWENK Beton Elbe-Harz, Werk Magdeburg und dem Werk Biederitz der Happy Beton GmbH & Co. KG geliefert. Der Beton für die Bohrpfähle wurde von einem weiteren Unternehmen vorlaufend bereitgestellt.

Abbildung 8: Betonarbeiten Ebene 2 ©SCHWENK Technologiezentrum

Für den Neubau des Brückenzuges „Neue Strombrücke Magdeburg“ wurden bisher ca. 6.000 m³ Beton geliefert und eingebaut.

Die Baumaßnahme wird unter Leitung der Firma Hochtief Infrastructure ausgeführt. Als externe Projektpartner fungieren die Firmen SEH und Kemna. Bis zur geplanten Fertigstellung im Jahr 2023 werden ca. 30.000 m³ Beton verarbeitet.

In einem Folgebeitrag werden wir über den Fortgang der Arbeiten, die Rezeptur und die Erstellung des markanten und anspruchsvollen Pylonpfeilers der Brücke berichten.

Neue Strombrücke Magdeburg

Kategorien

Allgemeine PR